Heute Vortrag und Workshop: Mitbestimmung in Wohnungsgenossenschaften

Liebe Nutzerinnen und Nutzer der Jenaer Baugenossenschaft,

ihr habt länger nichts von uns gehört, was vor allem Corona und den Mehrbelastungen, die jede und jeder Einzelne zu tragen hatte und hat, geschuldet ist. Nach wie vor aber sind uns ein solidarisches Zusammenleben und demokratische Beteiligungsmöglichkeiten in unserer Genossenschaft wichtige Anliegen.

In Wohnungsgenossenschaften schließen sich die Mitglieder zur gegenseitigen Unterstützung zusammen, um sich mit gutem, sicheren und günstigen Wohnraum zu versorgen. Als Miteigentümer haben sie die Möglichkeit, über die zentralen Belange der Genossenschaft mit entscheiden zu können.

Insofern verstehen wir Selbstverwaltung als ein zentrales Grundprinzip genossenschaftlichen Handelns. Dazu gehört auch die Mitbestimmung darüber, wie wir das gemeinsame Wohnen und unser Wohnumfeld gestalten, was wir unter guter, sicherer und sozial verantwortlicher Wohnraumversorgung konkret verstehen und wie wir diese Vorstellungen umsetzen wollen.

Wie weit reicht der Einfluss der Mitglieder tatsächlich? Welche Spielräume haben Genossenschaften in ihrer alltäglichen Praxis, um die Möglichkeiten der Mitbestim-mung zu erweitern? Welche Formen der Mitglieder-beteiligung wurden in verschiedenen Genossenschaften entwickelt? Und welche lassen sich auch auf die Jenaer Baugenossenschaft übertragen? Zu diesen Fragen berichtet uns Marleen Thürling von der Arbeit des Genossenschaftsforums e.V. in Berlin.

Die Veranstaltung findet heute (Dienstag, der 31. August 2021) 18 bis 20 Uhr in der Magdelstube (Magdelstieg 23, Jena) statt. Ihr könnt entweder – sofern ihr genesen, geimpft oder getestet seid – live oder online teilnehmen. Den Link zur Veranstaltung findet ihr hier:

https://uni-jena-de.zoom.us/j/68141177056

Meeting-ID: 681 4117 7056

Kenncode: 569522

Wir freuen uns auf euer Kommen, Fragen und Neugiergsein!

Eure Initiative für eine demokratische Genossenschaft

Wir sind weiter für Sie da!

Liebe Nutzerinnen und Nutzer der Jenaer Baugenossenschaft,

längere Zeit ist es scheinbar etwas still um unsere Initiative geworden. Das liegt aber weder an Corona noch an einem verlängerten Urlaub. Im Gegenteil: Wir sind nach wie vor aktiv für Ihre Anliegen! Und zwar mit unseren beiden Vertretern im Aufsichtsrat sowie in Form regelmäßiger Zusammenkünfte, von Zeit zu Zeit auch mit Vor-Ort-Terminen in Objekten der JBG. Diese Termine vor Ort haben wir beispielsweise in Jena-Nord durchgeführt, um dort mit Nutzerinnen und Nutzern über Probleme bei Sanierungsmaßnahmen in Kontakt zu treten.

Sollten Sie Probleme mit der JBG-Geschäftsstelle, dem Vorstand oder ausführenden Handwerksbetrieben haben, setzen Sie sich bitte direkt mit uns in Kontakt. Zahlreiche JBG-Mitglieder haben dieses Angebot bereits genutzt. Die Initiative für eine demokratische Genossenschaft konnte im Regelfall vermitteln und Verbesserungen herbeiführen! Zudem sind wir nach wie vor auf Ihre Schilderungen aus dem Alttag der JBG angewiesen – seien es positive oder negative Ereignisse. Sie erreichen uns nach wie vor unter zukunft_wohnen@web.de.

Weiterführende Informationen zu unserer Arbeit und aktuellen Themen erhalten Sie in Kürze.

Ihre Initiative für eine demokratische Genossenschaft

Die Initiative für eine demokratische Genossenschaft im Gespräch mit JBG-Mitgliedern in Jena-Nord (März 2021). Trotz des kalten Wetters führten wir bei Kaffee und Kuchen Gespräche zu Sanierungsmaßnahmen. (Foto: A. Lorenz)

Stopp des Berliner Mietendeckels ohne Auswirkung für Thüringen

Kürzlich hat das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietpreisdeckel für verfassungswidrig erklärt. Für Mieterinnen und Mieter in Thüringen ergeben sich daraus keine Konsequenzen, da der Mietpreisdeckel ausschließlich in Berlin galt. Er ist nicht zu verwechseln mit der Mietpreisbremse, die auch in Erfurt und Jena zur Anwendung kommt und weiterhin bestehen bleibt. Die gute Nachricht für die Jenaer Baugenossenschaft lautet: Hier wie in ganz Thüringen wird es aufgrund des Gerichtsurteils zu keinen Mieterhöhungen kommen!

Trotz allem sind wir natürlich betroffen von dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, denn der Berliner Senat hatte seit 2020 mit dem Mietpreisdeckel erstmals konsequent dafür gesorgt, die Mieterinnen und Mieter der Hauptstadt vor völlig überzogenen Forderungen großer Vermieter und Immobilienfirmen zu schützen. Vermieter und vermieterfreundliche Verbände liefen von Anfang an Sturm gegen die Regelung der rot-rot-grünen Berliner Landesregierung. Das Bundesverfassungsgericht bestritt jedoch nicht die Notwendigkeit eines solchen Mietpreisdeckels, sondern erklärte lediglich, dass der Bund und nicht das Land Berlin für dessen Umsetzung zuständig gewesen wäre. Es geht also um Zuständigkeitsgerangel im förderalen Geflecht – ausgetragen auf dem Rücken der Mieterinnen und Mieter. Geklagt hatten neben zahlreichen Vermietern auch Bundestagsabgeordnete von CDU und FDP.

Genossenschaftliche Beratung und Unterstützung in der Corona-Krise

Beratungstelefon: 03641 – 55 94 624 | Immer montags und mittwochs von 14 bis 18 Uhr. Rufen Sie an!

Die Initiative für eine demokratische Genossenschaft unterstützt die Mitglieder der Jenaer Baugenossenschaft ab sofort mit einem Beratungsangebot! Telefonisch können sich Mitglieder und Bewohner*innen zu den Sprechzeiten an die Telefonnummer 03641 – 55 94 624 wenden.

Die Corona-Pandemie führt nach wie vor zu starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens, der Erwerbsarbeit und der zwischenmenschlichen Kontakte. Zur Angst um die eigenen Angehörigen kommen daher häufig die Zunahme sozialer Isolation und Einsamkeit, häuslicher Stress und Überbelastung bis hin zu einem Wegbrechen von Einnahmequellen und Überschuldung. Es ist für uns wichtig, als Genossenschaftsmitglieder in dieser Situation füreinander da zu sein und füreinander einzustehen.

Genossenschaftliches Handeln bedeutet für uns, uns gegenseitig zu unterstützen und durch gemeinsames solidarisches Handeln Vereinzelung zu überwinden. Auch während der Zeit der Kontaktbeschränkungen wollen wir daher das Genossenschaftscafé fortführen und für euch erreichbar sein.

Meldet euch, wenn Ihr Stress mit dem Arbeitgeber, auf dem Amt, zu Hause, mit eurer Miete oder Wohnsituation habt – oder auch einfach Mal so wieder mit anderen Menschen sprechen wollt. Gemeinsam finden wir eine Lösung!

Statement der Initiative zum Vorstandswechsel

Liebe Nutzerinnen und Nutzer der Jenaer Baugenossenschaft,

wir freuen uns sehr, dass unser aller Engagement der letzten Monate und Jahre zu einer Veränderung in der JBG-Vorstandsstruktur geführt hat. Die wiederholt geäußerte Kritik an der mangelhaften Kommunikation mit den NutzerInnen, die Hinweise auf den nicht mehr gelebten genossenschaftlichen Gedanken, die kritischen Nachfragen zum vernachlässigten Förderzweck der Mitglieder wurden gehört und haben zu ersten Veränderungen geführt. Im April 2020 wurde Mario Münsterberg vom Aufsichtsrat als Nachfolger von Karsten Völkel zum Vorstand bestellt. Zweiter Vorstand ist nach wie vor Olaf Dietsch.

Wir danken dabei nicht zuletzt Ihnen und Euch für Geduld und Engagement bei der Mitgliederversammlung 2019. Aber neben den positiven Aspekten dieser Veränderung sind eventuell auch Unsicherheiten bei Ihnen oder Ihren NachbarInnen darüber entstanden, wie es weitergehen kann. Die Mitglieder der Initiative blicken erwartungsfroh auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand und vertrauen nicht zuletzt in die Kompetenzen der MitarbeiterInnen der JBG, die über viele Jahre eine gute und wichtige Arbeit geleistet haben.

Damit unsere Interessen als Mitglieder und NutzerInnen weiterhin Gehör finden, wird es wichtig bleiben unser Gremium, die Mitgliederversammlung, zu stärken. Unter welchen Umständen auch immer sie aufgrund der aktuellen Pandemie stattfinden wird: Wir möchten euch ermutigen daran teilzunehmen und mit uns gemeinsam Anliegen einzubringen. Gleichwohl bleibt es wichtig gemeinsam dafür einzutreten, dass in der JBG bestmöglich auf die Bedürfnisse der NutzerInnen eingegangen wird. Langjährige NutzerInnen sind uns dabei genauso wichtig wie bspw. die Anliegen junger Familien.

Wir wollen langfristig sicherstellen, dass die Gremien der JBG ihrer Aufgabe gerecht werden, sozial und im Sinne der Mitglieder und NutzerInnen zu handeln und sich um unsere Belange zu bemühen. Sozial verantwortungsvolles Handeln meint für uns ein Handeln, welches über die individuellen Interessen hinaus nachhaltig auch zukünftigen Generationen von Mitgliedern ein sicheres, bezahlbares Wohnen ermöglicht.

„Mit dem genossenschaftlichen Grundgedanken hat das nichts zu tun“ – Interview zum Abschiedsbrief des ehemaligen JBG-Vorstands Karsten Völkel

Sebastian Bandelin und Alexander Lorenz sind seit Jahren Teil unserer Initiative und im August 2019 von den Mitgliedern in den Aufsichtsrat der Jenaer Baugenossenschaft gewählt worden. Im Interview nehmen sie Stellung zum Abschiedsbrief des mittlerweile aus der JBG ausgeschiedenen Vorstands Karsten Völkel, welcher im Frühjahr im Mitgliederrundbrief veröffentlicht wurde. Sie heben die mangelnde Bereitschaft des ehemaligen Vorstandes hervor, sich mit den Forderungen der Genossenschaftsmitglieder auseinanderzusetzen und kritisieren seine fragwürdigen historischen Vergleiche. Im April 2020 wurde Mario Münsterberg vom Aufsichtsrat als Nachfolger von Karsten Völkel zum Vorstand der JBG bestellt. Zweites Vorstandsmitglied ist nach wie vor Olaf Dietsch.

Karsten Völkel hat in seinem Abschiedsbrief davor gewarnt, dass die Genossenschaft in eine ökonomische Schieflage geraten könnte, wenn sich eine Kultur wie auf der Mitgliederversammlung (MV) 2019 dauerhaft etabliert. Wie reagieren Sie auf diesen Vorwurf?

Sebastian Bandelin: Eine Kultur wie auf der MV 2019 halten wir ebenfalls nicht für wünschenswert – wenn auch aus anderen Gründen. In den Wochen vor der MV hatten wir weit über 100 Unterschriften für eine Petition gesammelt, in der eine Reduzierung des Leerstandes, stabile Nutzungsentgelte (Mieten) sowie die Verbesserung von Transparenz, Mitbestimmung und Kommunikation gefordert wurden. Diese wurde nicht auf die Tagesordnung aufgenommen.
Jetzt lässt sich sicherlich darüber streiten, wie die Satzung diesbezüglich auszulegen ist: Einerseits legt §22 Abs. 3 der Satzung fest, dass Punkte auf die Tagesordnung gesetzt werden müssen, wenn ein Zehntel der Mitglieder dies fordert. Andererseits wurde argumentiert, dass die Mitgliederversammlung dennoch für diese nicht zuständig sei.

Aber wenn über zehn Prozent der Mitglieder eine Behandlung dieser Punkte fordern, dann ist aus unserer Sicht ein Rahmen zu schaffen, in dem diese angemessen diskutiert werden können. Dazu gehört dann, den einzelnen Beteiligten die Gelegenheit zu einer ausführlichen Stellungnahme zu geben. Und dazu gehört auch, dass kritische Nachfragen sachlich beantwortet werden. Stattdessen hat der inzwischen ausgeschiedene Vorstand unter dem Vorwand, es handele sich um Einzelfälle, die nicht die MV betreffen, Auskünfte verweigert und einzelne Beteiligte auch persönlich angegriffen. Und dazu gehört dann auch, in einer Versammlung mit über 200 Teilnehmenden Saalmikros zu stellen, um eine gemeinsame Diskussion aller Mitglieder zu ermöglichen. Mit dem genossenschaftlichen Grundgedanken hat eine solche Kultur tatsächlich wenig zu tun.

Unser Eindruck ist aber, dass sie auch schon in den Jahren zuvor bestanden hat. Was sich geändert hat, ist vielleicht eher, dass mehr und mehr Genoss*innen nicht länger bereit sind, einfach die Geschäftspolitik des Vorstandes abzunicken, sondern dass sie kritische Nachfragen stellen, diskutieren wollen und eigene Anliegen formulieren. Das ist gut und richtig so.
Genossenschaften sind für ihre Mitglieder da. Die Mitgliederversammlung ist DIE zentrale Möglichkeit, in der sich Mitglieder begegnen, sich eine Meinung über die Entwicklung der Genossenschaft und die Geschäftspolitik des Vorstandes bilden, eigene Interessen artikulieren und entsprechende Entscheidungen treffen können. Hier lässt sich so viel tun, um die Mitgliederversammlung tatsächlich zu einem Organ der gemeinsamen Entscheidungsfindung zu machen.

Man könnte im Vorfeld Anliegen und Nachfragen von Mitgliedern sammeln und auf der MV vorstellen. Man könnte mehr Informationen über langfristige Strategien, Prognosen etc. veröffentlichen und gemeinsam in kleineren Zusammenhängen diskutieren. Oder Zukunftswerkstätten organisieren, um Mitglieder in die langfristige Strategieentwicklung einzubeziehen. Man könnte gemeinsame Besuche bei anderen Wohnungsbaugenossenschaften anbieten, um über mögliche alternative Entwicklungspfade zu informieren und so weiter und so fort. Es geht uns in diesem Sinne gerade auch um ein besseres genossenschaftliches Miteinander.

Aber was ist mit dem Vorwurf, aus eigenen Begehrlichkeiten bzw. wirtschaftlichem Eigennutz den Gesamtbestand der Genossenschaft zu gefährden?

Sebastian Bandelin: Das verstehe ich in erster Linie als Ausdruck der mangelnden Bereitschaft, sich mit den Forderungen der Mitglieder ernsthaft auseinander zu setzen. Wir haben in den letzten Monaten und Jahren mit vielen unterschiedlichen Nutzer*innen gesprochen und uns ist wirklich niemand begegnet, dem der Fortbestand und eine langfristige positive Entwicklung der gesamten Genossenschaft nicht ein wichtiges Anliegen gewesen wäre.

Das schlägt sich auch in unseren Forderungen nieder. Eine Reduzierung des Leerstandes fordern wir ja nicht nur, weil bei zirka zehn Prozent Leerstand auch uns Nutzer*innen weniger Ausweichwohnungen zur Verfügung stehen und eine so hohe Quote in einer Stadt wie Jena auch wohnungspolitisch unverantwortlich ist, sondern auch, weil die JBG damit wichtige Einnahmemöglichkeiten verliert, die für die Entwicklung des Bestandes dringend gebraucht würden. Auch haben wir nicht, wie Karsten Völkel in seinem Abschiedsbrief behauptet, die Senkung, sondern die Stabilität der Nutzungsentgelte gefordert. Die Möglichkeiten dazu sind aus unserer Sicht angesichts hoher Rücklagen und möglicher Mehreinnahmen durch Reduzierung des Leerstands durchaus gegeben.

Vielleicht fällt es nach vielen Jahren in der Position des Vorstands auch schwer, sich das vorzustellen, aber eine Erhöhung der Nutzungsentgelte („Mieten“) um zwanzig Prozent bedeutet für viele Nutzer*innen tatsächlich einen deutlichen finanziellen Einschnitt. Zumal sich die Genossenschaft mit 6,06 Euro pro Quadratmeter schon jetzt im Bereich der ortsüblichen Vergleichsmieten bewegt und in einer Stadt wie Jena mit angespanntem Wohnungsmarkt kaum Alternativen bestehen. Die hier entstehenden sozialen Härten kann und darf der Vorstand einer Genossenschaft nicht einfach ignorieren.

Hohe oder steigende Mieten können sich eben nicht alle leisten. Insofern geht es hier nicht um wirtschaftlichen Eigennutz, sondern um den Kern der Genossenschaft selbst: nämlich die sichere und sozial verantwortliche Wohnungsversorgung der Mitglieder. Die langfristige wirtschaftliche Stabilität und die Anliegen der Mitglieder sind hier miteinander in Einklang zu bringen und nicht in dieser diffamierenden Weise gegeneinander auszuspielen. Das erwarten wir vom Vorstand einer Genossenschaft und insofern war der Rücktritt von Herrn Völkel richtig und konsequent.

Somit liegt dem Abschiedsbrief von Herrn Völkel ein problematisches Genossenschaftsverständnis zugrunde?

Alexander Lorenz: Wie auch in persönlichen Begegnungen  beschreibt Herr Völkel unsere Genossenschaft als „Immobilienunternehmen“. Formal mag das richtig sein, es spiegelt jedoch auch ein Grundverständnis wieder, das er stets nach außen vertrat: Wir konkurrieren mit dem privaten Immobilienmarkt und diese harten Bandagen sind auch an die JBG anzulegen. Stetiges Wachstum und prestigeträchtige Neubauten zählten – wie in der Branche üblich – zu seinen zentralen Glaubenssätzen.  
 
Dabei ist die Crux dieser Argumentation, dass in Jena bekanntermaßen eine enorme Nachfrage nach Wohnraum besteht und es Herrn Völkel in seiner Amtszeit trotzdem nicht gelungen ist, den aberwitzigen Leerstand von zehn Prozent zu senken. Nach den Regeln des freien Marktes, auf den sich Herr Völkel gern beruft, wäre die Genossenschaft wohl schon gegen den Baum gefahren, denn dieser Leerstand erzeugt massive Mietausfälle. 
 
An einer Stelle legt der Ex-Vorstand richtigerweise den im Genossenschaftsgesetz festgelegten Zweck der Baugenossenschaft dar, nämlich eine „gute, sichere und soziale Wohnungsversorgung“. Allerdings relativiert er diesen wichtigen Aspekt sofort wieder und nennt das Wort „sozial“ ein „Wieselwort“. Ein „Wieselwort“ verweist auf die angebliche Inhaltsleere eines Begriffs – „sozial“ heiße laut Herrn Völkel also Alles und Nichts zugleich. Dem muss entschieden widersprochen werden. Die soziale Wohnungsversorgung gehört seit Jahren zu den zentralen Debatten in der Bundesrepublik. Expert*innen sind sich einig, dass eine soziale Verträglichkeit der Mieten und ein Schutz vor profitorientierten Vermieter*innen eine weiterführende Spaltung der Gesellschaft verhindern helfen kann. 
 
„Sozial“ ist in diesem Zusammenhang ein ziemlich konkreter Begriff. Er bedeutet, dass sich jede*r seine Miete leisten können muss und man die Entwicklung unserer Städte nicht dem freien Markt überlassen darf. Ein sensibles Vorgehen sichert den sozialen Frieden. Auf die Baugenossenschaft übertragen sollte „sozial“ heißen, dass vor der Erhöhung der Nutzungsentgelte („Mieterhöhung“) vonseiten des Vorstands Alternativen geprüft und die Mitglieder ausführlich informiert und angehört werden sollten. Das ist in der Vergangenheit nicht ausreichend geschehen. Auf der Mitgliederversammlung 2019 wurde ein Antrag zur Aussetzung von Mieterhöhungen trotz formaler Richtigkeit einfach ignoriert. Wir hoffen nun auf ein angemessenes Vorgehen des neuen Vorstands Mario Münsterberg.
 
In dem Abschiedsbrief greift Karsten Völkel seine Kritiker*innen an und beschwert sich über die hohe Steuerlast in Deutschland. Wie ist das zu bewerten?  

Alexander Lorenz: Wem es nach all den eher genossenschaftsfernen Gedankengängen von Karsten Völkel und dem mit äußerst fragwürdigen Theorien gespickten Vorwort zum Geschäftsbericht 2018 noch nicht reicht, für den hält er noch eine Kritik am „unersättlich gierigen Steuerstaat“ bereit. In seinem typischen Schwarz-Weiß-Denken spricht er von „Humus-Mehrern“ (die „Fleißigen“) und „Humus-Zehrern“ (die „Faulen“). Wobei die Humus-Zehrer natürlich gemäß des völkelschen Denkens „sozialistisch“ sein müssen – es muss eben dramatisch klingen. 
 
Als „Sozialisten“ bezeichnet er dabei sowohl Nazis als auch Kommunisten sowie die Mitglieder der JBG, die seinem Kurs nicht blind folgen wollten. Wer Nationalsozialismus und DDR gleichsetzt sowie alle anderen Meinungen als „sozialistisch“ brandmarkt, der hat nur eins im Sinn: Die Diskreditierung seiner selbstgewählten „Gegner*innen“. Es sind dann keine Mitglieder mit berechtigten Anliegen, sondern „Sozialisten“. Man kann davon ausgehen, dass Herrn Völkel klar ist, dass dieser Begriff bei vielen Leser*innen Unbehagen oder gar Angst auslösen dürfte und er ihn deshalb verwendet. 
 
Danach vergleicht Karsten Völkel ganz nebenbei die Spitzensteuersätze von 1897 und 2020 – damals vier, heute 42 Prozent. Dazwischen liegen 123 Jahre! Damals gab es weder Automobile noch das Frauenwahlrecht, dafür jede Menge Dampfmaschinen und minimale Rechte für die nicht-besitzende Klasse, also Arbeiter- und Tagelöhner*innen. Die Schulpflicht dürfte wenige Jahre betragen haben, die medizinische Versorgung der Bevölkerung unterirdisch gewesen sein. Der Kaiser herrschte selbstzufrieden über „sein Volk“ und führte es letztendlich in den Ersten Weltkrieg. 
 
Herr Völkel, der seine kaufmännische Weltgewandtheit nicht vergisst stets zu betonen, empfiehlt seinen Leser*innen, diese sollten „vom Staat [ihr] Geld zurück“ fordern, um nicht von diesem „ausgebeutet“ zu werden. Man glaubt es nicht, dass ausgerechnet ein im Vergleich zu vielen der JBG-Mitglieder gut entlohnter Vorstand so denkt. Herr Völkel, der kostenfrei in die Schule und an die Berufsakademie Leipzig gegangen sein sowie alle Privilegien eines in Deutschland geborenen Mannes genossen haben dürfte, seine Kinder an eine staatliche Schule schickt, die gesamte gesellschaftliche Infrastruktur sowie Sportanlagen und Kultureinrichtungen kostenlos benutzt und auch sonst alle sozialen und demokratischen Vorteile dieses Landes ausschöpft, erzählt hier seinem „Mietvieh“ (Branchenjargon), wie schlecht das System ist, das ihn selbst in seine berufliche Position gespült hat.
 
Wir bedanken uns für Ihre Einschätzung und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolgt bei der Arbeit im Aufsichtsrat! 

Alexander Lorenz und Sebastian Bandelin erreichen Sie unter zukunft_wohnen@web.de. In Kürze betreuen sie auch regelmäßig montags und mittwochs unser Beratungstelefon für Bewohner*innen der Jenaer Baugenossenschaft unter 03641 – 55 94 624. Nähere Infos dazu finden Sie in einem gesonderten Artikel auf unserem Blog.
 

Infoabend zu Mieterhöhungen

Liebe Genossenschafterinnen und Genossenschafter,

vermehrt erreichen uns zur Zeit Nachrichten über konkrete Ankündigungen der Erhöhung der Nutzungsentgelte („Mieterhöhung“) innerhalb der Jenaer Baugenossenschaft. Deswegen möchten wir alle Betroffenen zu einem Infoabend einladen!

Am Montag, dem 21.10.2019, um 19 Uhr, treffen wir uns im Stadtteilladen „Magdelstube“ (Adresse: Magdelstieg 23) mit zwei Personen vom Fach, die Ihnen Fragen zum richtigen Umgang mit den Nutzungsentgelterhöhungen beantworten möchten. Wir freuen uns über Ihr Erscheinen!

Herzlich,

Ihre Initiative für eine demokratische Genossenschaft

Rückblick auf die Mitgliederversammlung

Liebe Genossenschafterinnen und Genossenschafter, liebe Nutzerinnen und Nutzer,

am 19. August 2019 fand im F-Haus die turnusmäßige Mitgliederversammlung der Jenaer Baugenossenschaft statt. Auch die Initiative für eine demokratische Genossenschaft war dort durch zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer vertreten.

Mitglieder der Initiative gewählt

Um die größten Neuerungen gleich vorweg zu nehmen: Die geheime Wahl zu zwei Sitzen im JBG-Aufsichtsrat konnten Sebastian Bandelin und Alexander Lorenz, beide aus den Reihen unserer Initiative, für sich entscheiden. Somit verlassen Herr Agsten (ehem. Vorsitzender) und Herr Tanzmeier den Aufsichtsrat. Wir bedanken uns für deren Engagement und wünschen ihnen alles Gute für die Zukunft.

Einschätzung der Mitgliederversammlung

Zunächst wurde der Geschäftsbericht durch Vorstand Karsten Völkel vorgetragen: Neben den Zahlen des Berichts wurde hier eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage verlesen, die stark politische Botschaften platzierte und für hörbaren Unmut im Saal sorgte (u.a. als von einer durch die Politik verursachten „Zuwanderungswelle“ und einer „Politik der EZB, die weiterhin hemmungslos Geld druckt, um die maroden Staatswesen der Eurozone zu erhalten“ die Rede war).

In der anschließenden Diskussion mit Nachfragen zahlreicher Mitglieder äußerte sich zudem Unverständnis über angekündigte oder vollzogene Mieterhöhungen sowie unterschiedliche negative Erfahrungen insbesondere in der Kommunikation mit dem Vorstand. Dennoch wurde der Geschäftsbericht von den JBG-Mitgliedern mit einer knappen Mehrheit der Stimmen bestätigt. Auch Aufsichtsrat und Vorstands wurden in diesem Jahr jeweils mit knappen Mehrheiten entlastet, wobei es bei der Entlastung des Vorstands die meisten Stimmenthaltungen gab.

Wahl zum Aufsichtsrat

Bei der Wahl zweier Aufsichtsratsposten (insgesamt besteht das Gremium aus fünf Mitgliedern) wurden die beiden langjährigen Aufsichtsratsmitglieder (Herr Agsten und Herr Tanzmeier) mehrheitlich abgewählt. Ihre Nachfolge treten nun Sebastian Bandelin und Alexander Lorenz an. Für die drei weiteren Sitze im Aufsichtsrat findet die Wahl voraussichtlich zur Mitgliederversammlung 2020 statt.

Wie geht es nun weiter?

Zunächst wird es laut Aussage von Dr. Fuß, dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, eine konstituierende Sitzung des neuen Aufsichtsrats geben. Diesem gehören nun an: Herr Dr. Fuß, Frau Persch, Herr Gerhardt sowie unsere beiden Initiativen-Mitglieder. Zur nächsten Mitgliederversammlung im Jahr 2020 stehen dann die drei anderen Aufsichtsratssitze zur Wahl.

Die Initiative für eine demokratische Genossenschaft steht weiterhin für eine Senkung des Leerstands, angemessene Nutzungsentgelte (Mieten), sowie ein Miteinander auf Augenhöhe zwischen den Mitgliedern, Vorstand und Aufsichtsrat. Dem liegt ein Verständnis von einer Genossenschaft zugrunde, welche vorrangig dem Zweck der Förderung ihrer Mitglieder mittels guter, sicherer und sozial verantwortlicher Wohnungsversorgung verpflichtet ist. Unumgänglich erforderliche Mietanpassungen sollten daher beispielsweise nur gemäßigt, unter Einbeziehung der NutzerInnen und Berücksichtigung ihrer Hintergründe erfolgen.

Der Aufsichtsrat wird vornehmlich in seiner satzungsgemäßen Funktion verstanden, den Vorstand angemessen zu fördern, zu beraten und zu überwachen. Ein erstes Ziel, ist die zeitnahe Einführung von Aufsichtsrats-Sprechstunden.

Wofür brauchen wir Sie/Euch?

Wir haben mit dem Kontakt zu Ihnen/Euch bei der Mitgliederversammlung und bei den regelmäßigen öffentlichen Treffen unserer Initiative im Gartenlokal am Birnstiel sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch hierfür gilt es, uns bei Ihnen herzlich für die Teilnahme zu bedanken! Wir wünschen uns sehr, dass das so bleibt und noch mehr Menschen ihr Mitbestimmungsrecht als Mitglied der Genossenschaft wahrnehmen. Sie erreichen uns bei Fragen oder Interesse unter der E-Mail-Adresse zukunft_wohnen@web.de.

Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn über Ihre Erlebnisse bei der Mitgliederversammlung! Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen! Bereichern Sie die Veranstaltungen der Initiative (Ankündigung via Flugblatt und über unserem Blog) und wenden Sie sich mit Fragen und Anliegen gerne an uns! Wir freuen uns über jedwede Anregung und persönliche Begegnungen.

Herzliche Grüße

Eure und Ihre Initiative für eine demokratische Genossenschaft

Mitgliederversammlung verschoben

Liebe Genossenschafterinnen und Genossenschafter,

vor wenigen Tagen kündigte der Aufsichtsratsvorsitzende der Baugenossenschaft die Verschiebung der für den heutigen Mittwoch angekündigten Mitgliederversammlung an. Grund: Zu viele Anmeldungen und zu befürchtender Platzmangel im Paradiescafé. Wir lassen das unkommentiert und freuen uns umso mehr auf die Mitgliederversammlung, die laut Schreiben der Baugenossenschaft nun in der Woche ab dem 19. August stattfinden soll.

Nichtsdestotrotz haben wir mit Eurer Hilfe wie angekündigt die Unterschriften von weit mehr als den benötigten zehn Prozent der Genossenschaftsmitglieder gesammelt. Wir haben diese offiziell eingereicht, um folgende Themen auf die Tagesordnung der Mitgliederversammlung zu setzen:

  • Gegenvorschläge zur Erhöhung der Nutzungsentgelte („Mieterhöhung“)
  • Vorschläge zur Senkung des Leerstands in der Genossenschaft
  • Verbesserung von Kommunikation und Transparenz

Wir bedanken uns recht herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern für das Unterschriftensammeln! Und natürlich bei allen, die unterschrieben haben!

Wer sich näher zu den aufgeführten Tagesordnunsgpunkten informieren möchte oder sonstige Fragen bzw. Hinweise hat (z.B., bei einer Mieterhöhung), schreibt uns am besten einfach einen E-Mail: zukunft_wohnen@web.de. Wir freuen uns auf Eure Anregungen!

Zudem ist unser Infoblatt zur Mitgliederversammlung recht aufschlussreich. Hier stellen sich auch unsere beiden Aufsichtsratskandidaten Alexander Lorenz (links im Bild) Sebastian Bandelin und kurz vor. Schaut mal rein!

Aktualisierte FAQ

Auf Grund des letzten Treffens am Birnstiel haben wir unsere FAQ überarbeitet. Danke für eure Mithilfe! Ihr findet nun auch Antworten auf weitere Fragen zur Mitgliederversammlung, zum Jahresabschluss und zur Gewinnverwendung. Gerne sammeln wir weitere Nachfragen und versuchen diese zu beantworten. Sendet uns diese per Mail an zukunft_wohnen@web.de oder kommt zu einem der nächsten Genossenschaftscafés.